Was macht uns besonders?

Diese Frage müssen wir uns immer wieder stellen – nicht weil wir die Antwort nicht kennen, sondern weil sie für uns so normal ist, dass es sich nicht mehr besonders anfühlt. Daher ist es spontan oft gar nicht so einfach zu erklären. Ein Bewusstsein dafür, was uns ausmacht, was uns sozusagen hervorhebt, ist aber ausschlaggebend für eine gute Kommunikation nach außen. Denn für viele Leute ist Gemüse gleich Gemüse, Blumen gleich Blumen, Bio gleich Bio, Kisterl gleich Kisterl … Warum das aber absolut nicht so ist und wo wir uns dabei verorten, erfährt ihr in diesem Text.

Nehmen wir an, jemand kauft sein Bio Gemüse im Supermarkt. Was ist der Unterschied, zum Gemüse vom regionalen Bauernhof?
Oft liegt die Antwort schon in der Frage, hier im Wort „regional“. Das bedeutet nämlich nicht nur, dass das Gemüse lokale Produzent*innen unterstützt und hiesige Qualitäts- und Sozialstandards einhält, wie beispielsweise lokale Bio-Verbands-Siegel und legale, ausbeutungsfreie Anstellungsverhältnisse von Arbeiter*innen. Es bedeutet vor allem auch: mehr Frische, mehr Geschmack, mehr gesunde Inhaltsstoffe. Gemüse, das bereits tausende km durch die Welt transportiert wurde, hat naturgemäß stark abgebaut. Das schmeckt man – oder eben nicht – und was man nicht (an Inhaltsstoffen) schmeckt, ist tatsächlich auch nicht da. Genuss und Gesundheit verlangen also ebenso nach regionaler Produktion wie der Anspruch an Nachhaltigkeit. Lange Transportwege sind schließlich auch für die Umwelt nicht gut. Nicht nur wird Gemüse oft durch halb Europa transportiert, vieles davon landet noch dazu am Ende in der Tonne. Die Abhängigkeit von ausländischen Produzent*innen verringert die Ernährungs-Sicherheit, denn in Krisenzeiten brechen Transportwege oft zusammen und wenn niemand bei den lokalen Bauern kauft, dann gibt es diese auch nicht mehr lange. Der Einkauf bei regionalen Bauern ist also auch eine Frage von Gesundheit, Nachhaltigkeit und Sicherheit.

Natürlich gibt es aber auch relativ regionales Bio Gemüse im Supermarkt. Warum ist auch das nicht das selbe?
Ich habe bewusst „relativ regional“ geschrieben, denn auch Österreich ist nicht so klein. Oft verbringt auch österreichisches Gemüse mehrere Tage in Kühlketten. Noch besser ist aber das Gemüse, das am selben Tag geerntet wurde und möglichst bald auf dem Teller oder im Kühlschrank landet.
Zudem hat jede*r Hof unterschiedlichste Zugänge zum Gemüsebau. Jede*s mal wenn ich mir andere Höfe anschaue bin ich von der Vielfalt der Herangehensweisen überrascht und beeindruckt. Jedes mal lernt man von anderen oder sieht Dinge, die man lieber nicht machen möchte. Die Lösungsfindung für die üblichen Herausforderungen in der Landwirtschaft sind mannigfaltig. Manche Lösungen sind unglaublich kreativ und genial. Und natürlich gehen manche Lösungen auch auf Kosten von etwas anderem. Beispielsweise verwenden heutzutage fast alle Gemüsebetriebe Unmengen an Plastik. Mypex Folien auf den Wegen oder sogar auf den Beeten, so dass nur die gewünschte Kulturpflanze durch die Folie wächst… Sogenannte „Tarps“ oder Silofolien werden verwendet um unbenötigte Flächen abzudecken, damit nichts Ungewünschtes dort wächst, oder um Ernterückstände bei der Verrottung zu fördern. Netze werden als mechanischer Schutz gegen ungeliebte Mitesser verwendet, vor allem bei Kohlgewächsen. (Alternativ werden oft auch biologisch zugelassene oder konventionelle Pestizide verwendet, weshalb wir uns für Netze entschieden haben.)
Neben Plastik ist Bodenbearbeitung ein Thema: es gibt Ansätze von so gut wie keiner Bodenbearbeitung, die mit extrem dicken Kompost- und Mulchschichten und Plastikfolien arbeiten – es gibt Ansätze die reduzierte Bodenbearbeitung machen, d.h. meist nur mit Hand-geräten, breiten Grabegabeln, Hacken etc… hierfür braucht es mehr menschliche Arbeitsstunden, dafür ist die Flächeneffektivität sehr groß, man hat weniger Betriebsmittel-Input und der Boden kann geschont und sogar durch Kompost und Begrünungen aufgebaut werden. Der Großteil der Gemüseproduktion wird allerdings mit sehr intensiver Bodenbearbeitung angebaut: maschinelles Fräsen, Grubbern, Pflügen, Hacken etc. Diese Produktionsweise kommt mit weniger Plastik aus, aber der intensive Einsatz von Fräsen und co. ist schlecht für das Bodenleben und die Bodenstruktur. Es kommt häufig zu Humusabbau und Bodenerosion. Und natürlich höherem Treibstoff-Verbrauch und Kosten für die Maschinen(-Erhaltung). Auch die Düngungs-Methoden machen viel Unterschied. Kompost und Mist düngen den Boden, indem sie vielfältiges Futter für die Bodelebewesen zur Verfügung stellen, wodurch diese die Pflanzen optimal ernähren können. Solche Pflanzen schmecken auch besser und sind gesünder, als Pflanzen, die ohne dem Umweg der Mikrobiologie direkt mit wasserlöslichen NPK (Stickstoff, Phosphor, Kalium) Düngern versorgt werden. Auch wenn das Endergebnis gleich aussieht: die Qualität ist eine ganz andere.

Neben dem Anbausystem gibt es natürlich noch jede Menge Unterschiede: beschränkt sich ein Betrieb auf wirtschaftliche Elemente? Oder versucht er eben auch bewusst Boden aufzubauen? Verwendet er leistungsstarke Hybrid-Sorten? Oder vielfältiges samenfestes Saatgut, das unsere Ernährungssouveränität sichert? Engagiert man sich in öko-sozialen Gruppen? Oder ist man nur Business(wo)man? Werden Nützlings-Heckenangelegt? Wird versucht, mit Permakultur Methoden das ökologische Gleichgewicht zu fördern, den Wasserhaushalt zu verbessern, Windschutz anzulegen, Blühwiesen und Rückzugsräume für Kleinstlebewesen erhalten und zu schaffen? Oder arbeitet man nur für kurzfristigen Profit?
Die meisten Landwirt*innen finden sich wahrscheinlich irgendwo dazwischen wieder. Viele sind leidenschaftliche Bäuer*innen und wenn sie unökologisch wirtschaften, tun sie dies oft nicht aus Unwissen und Gier, sondern weil sie selbst am Limit sind. Oft arbeiten sie im Nebenerwerb nach dem eigentlichen Brotjob, oft nachts mit Traktor-Scheinwerfern. Auch sie sind zum Teil Opfer eines Systems. Ökologisches/Soziales und Wirtschaftliches Handeln stehen heute oft im Widerspruch. Wir brauchen andere Rahmenbedingungen, die es ermöglichen all das zu vereinigen, ohne einen Nachteil zu haben.

Vielfältig und samenfest – beispielsweise bei Zuckererbsen


Wo in diesem Spektrum ist die Ackerhummel verortet?
Wir ernten morgens frisch und liefern am selben Tag. Wir verwenden außer den Netzen kaum Plastik. Wir arbeiten mit der Methode der reduzierten Bodenbearbeitung
– d.h. überwiegend händisch und mit wenig Boden-Störung. Die Förderung des Ökologischen Gleichgewichts, der Biodiversität, Bodenaufbau, Blumen-, Strauch-, Baum- und Heckenpflanzungen sind uns genauso wichtig wie wirtschaftliches Auskommen. Permakultur ist eine wertvolle Inspirationsquelle. Als SoLaWi sind wir Teil einer alternativen Bewegung, die versucht die Rahmenbedingungen für Landwirtschaft zu verbessern und Ökologische Ernärhung für alle leistbar zu machen!

Kurz: Kein Hof gleicht dem anderen und als Konsument*in kann ich durchaus wählen, ob ich lieber eine anonyme Landwirtschaft unterstütze, die häufig nur das wirtschaftlich Notwendige tut, um schönes Gemüse zu haben, ein Bio-Zertifikat zu bekommen etc. – oder ob ich mit meinem Essverhalten einen Beitrag zu einer Art von Landwirtschaft leisten möchte, die meinen Idealvorstellungen am nächsten kommt.


Was ist mit anderen Bio Kisterl Anbietern? Sind sie nicht quasi alle gleich?
Wer aufmerksam gelesen hat, weiß mittlerweile natürlich, dass die Antwort nein lautet. Auf die unterschiedlichen Anbaumethoden brauche ich nicht weiter eingehen. Es gibt aber noch einen Unterschied: Wir handeln nicht mit Gemüse, wir machen in der Regel alles selbst. (Nur bei Erdäpfeln haben wir manchmal Ausnahmen gemacht und die Erdäpfel von Freunden/Verwandten mitverkauft.) Die meisten großen Kisterl-Anbieter wie Achleitner, Adamah etc. bauen nur einen Teil selbst an und kaufen den Rest zu. Das ist nicht zwingend schlecht, immerhin können sie so die Spzialisierung von gewissen Betrieben nutzen und damit auch billiger zu- und verkaufen, als sie selbst produzieren könnten. Außerdem haben sie immer maximale Auswahl, weil sie aus unterschiedlichen Klimazonen zukaufen. Der Nachteil ist wie so oft die Frische und Qualität, die durch den Transport leidet. Und, dass man den Bezug zur Landwirtschaft nicht mehr hat, nicht weiß, wie produziert wird etc.

Was ist mit Blumen? Gibt es da Unterschiede zu Blumen aus dem Geschäft?
Ja, sehr große. Die meisten Blumen sind massiv mit Pestiziden behandelt. Viele davon sind hormonell wirksam, krebserregend, fortpflanzungsschädigend, mutagen – und eigentlich in der EU verboten – sie werden aber dennoch immer wieder nachgewiesen. Außerdem haben auch sie sehr lange Reisen hinter sich und auch für „Fairtrade“ Blumen bekommen Angestellte im Globalen Süden meist nur den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn, der sehr niedrig sein kann.
Zum Glück gibt es eine Alternative, die sogenannte Slow Flower Bewegung, nach deren Grundsätzen auch wir unsere Blumen anbauen. Regionale Pestizid-Freie Schnittblumen mit großer Vielfalt und maximaler Frische machen ohnehin mehr Freude.

Schaffe ich es in wenigen Sätzen zusammenzufassen, was uns von anderen abhebt?
Ich würde sagen:
Unser Gemüse ist regional und saisonal, vielfältig, maximal frisch, geschmacksvoll und gesund; Wir haben hohe Qualität durch Handarbeit, verteilen aber auch nicht-perfektes Gemüse, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Wir haben kaum Verpackungsmüll.
Wir arbeiten Plastik-Reduziert, Boden-aufbauend, Bio-Diversitäts-fördernd.
Und durch das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft sind unsere Kisterl fair und für alle leistbar.



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