Die erste Gemüse-Ernte des Jahres: Fast einen Monat später als im vergangenen Jahr. Auch wenn wir unsere ersten Kisterl letztes Jahr in der gleichen Woche gepackt haben, wurden einige Kulturen schon ein paar Wochen früher für die Bio-Drehscheibe und den Gasthof Haderer beerntet. Dieses Jahr bliebt es spannend, ob genug Kulturen für das erste Kisterl rechtzeitig fertig sind. An den Temperaturen liegt der spätere Erntestart wohl eher nicht, eher am fehlenden Niederschlag. Auch wenn wir so viel bewässert haben, wie noch nie um diese Jahreszeit und einige Kulturen dick gemulcht haben, kommt eine Bewässerung für ein paar Stunden einfach nicht an einen guten Regen, der die Erde bis in die Tiefe befeuchtet ran. So werden einerseits genügend Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar macht und vor allem auch genug anhaltende Feuchtigkeit für die Pflanzen bereitgestellt, sodass sie den Wasserdruck in den Zellen aufrecht erhalten können, und robuster gegenüber Insekten und Krankheiten sind.
Fehlender Niederschlag. Was bedeutet das für mich als Landwirtin?
Erstmals: Alles mögliche tun, um die Kulturen zu versorgen. Mit Wasser, mit Mulch, mit Schutz-Netzen.
Zweitens: Beobachten und wenn möglich, reagieren. Einigen Pflanzen (zum Beispiel dem Spinat und dem Pakchoi) hat es dieses Jahr, ganz anders als im letzten Jahr, unter unseren Verfrühungsvliesen gar nicht gefallen. Die Kombination aus Trockenheit und Hitze hat sie, bevor sie ihre maximale Größe erreicht hatten aus Stress bereits zur Blütenbildung angeregt. Also: reagieren, Vliese möglichst schnell runter. Anders ist es beim Befall von Insekten: Dadurch, dass wir am Feld auch keine biologisch zugelassenen Spritzmitteln verwenden, können wir hier nur zuschauen und hoffen, dass sich wieder ein Gleichgewicht einstellt, wenn wir die Pflanzen ansonsten bestmöglichst versorgen.
Drittens: Der wohl schwierigste Schritt. Hat man alles getan, was möglich scheint, gilt es loszulassen. Zu erkennen, dass es in unserem Beruf zwar vieles gibt, was wir tun können, aber, dass wir am Ende der Natur und ihren Launen ausgeliefert sind. Zuerst fühl sich das sehr unangenehm an. Man denke an all die Zeit, Resourcen, Energie und Fürsorge, die man in jede einzelne Kultur, jedes einzelnes Beet steckt. Und dann kommt die Demut. Das Wissen, dass es in der Natur so viel größere Kreisläufe, Strukturen, Abläufe, Zusammenhänge gibt, die wir niemals kontrollieren werden können. Wahrscheinlich fällt dieser Schritt deshalb so schwer. Denn wie tief ist in vielen von uns der Glaubenssatz „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ verankert. Die Demut erinnert mich daran, dass es vielleicht eher heißen sollte „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.“
Trotz der Befürchtungen, dass wir wegen der Trockenheit zu wenig Gemüse für die ersten Kisterl haben werden, sah es dann, als sie fertig gepackt waren, ganz anders aus. Auch wenn jedes Gemüse für sich vielleicht nicht perfekt ist, schafft die Vielfalt eine bunte Fülle. Und der Angst, dass das Gemüse nicht schön genug ist, weicht ein Gefühl von Dankbarkeit für diese Menge an frischem Frühlingsgemüse.
Genießt euer erstes Kisterl der Saison!
Liebe Grüße und bis bald,
Rosa
